Realschule Rheinau entlässt erste Schülergeneration Ganztagsschule

2009/10 hat die Realschule Rheinau die Ganztagsschule in offener Form eingeführt.
Lehrer, städtische Betreuerinnen und Absolventen ziehen gemeinsam Bilanz.

Robert Heemann, Jan Willems, Lucas Zimpfer und Fabian Reuter sind 16 Jahre alt. Sie gehören zur ersten Schülergeneration der Realschule Rheinau, die sich vor sechs Jahren für die neu eingeführte Ganztagsschule in offener Form entschieden hat. Derzeit stehen sie mitten in ihren Abschlussprüfungen zur Mittleren Reife. Trotzdem nehmen sie sich Zeit um zu erzählen, wie das damals so war.

Ganztagsschule-5-15Gefragt nach ihren Motiven Ganztagsschule auszuprobieren ähneln sich die Antworten: "Die Hausaufgaben waren zeitig erledigt, es hat Spaß gemacht, die Freunde waren auch da und die Eltern wussten, dass man versorgt ist und einem geholfen wird". In der Technik AG hat man gelernt zu löten, und "die Betreuerinnen waren auch klasse." schwärmen die vier. Und Lucas bringt noch die Großmutter ins Spiel "Oma wurde zu Hause entlastet - bei Englisch oder Mathe konnte sie mir eh´ nicht helfen." Gemeinsam mit der damaligen Wilhelm Rohr-GHS wurde 2007 das Konzept für die Ganztagsschule erarbeitet, beim Kultusministerium in Stuttgart eingereicht und genehmigt. Nach der Vorstellung im Gemeinderat und einiger Überzeugungsarbeit gab die Gemeinde - sie ist der Schulträger - ebenfalls grünes Licht.

Ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler entscheiden sich mittlerweile für die Ganztagsschule, der Betreuungsschwerpunkt liegt bei den Klassen 5 und 6. Jungs waren zu Beginn in der Überzahl, heute interessieren sich ebenso viele Mädchen für die Angebote.

Hier an der Realschule hat sich alles schon vor Jahren aus der Hausaufgabenbetreuung entwickelt, die immer stärker nachgefragt und bis in den Nachmittag angeboten wurde. Auch dadurch zeigte sich, dass das herkömmliche Schulsystem den Bedürfnissen der gesellschaftlichen Realität nicht mehr entsprechen kann. Heutzutage sind meist beide Elternteile berufstätig, das Modell der Großfamilie ist kaum noch zu finden und so bleiben Kinder zu Hause oft erstmal alleine. "Deshalb trifft Ganztagsschule in offener Form auch im weitläufigen Ländlichen Raum den Bedarf an längeren Betreuungsangeboten für Schülerinnen und Schüler" berichtet Rektor Gebhard Glaser.

Mit Lernzeiten und den AG-Angeboten ermöglicht die Realschule heute solch eine weiterführende Begleitung nach dem regulären Unterricht. Mittags sind städtische Betreuerinnen wie Claudia Huber, Vivian Ludwig, Simone Franz und Heidi Schütt die Ansprechpartner. Während der Lernzeit kümmern sich Lehrer und Jugendbegleiter um die circa 100 Ganztagsschüler. "Für viele sind wir Anlaufstelle, dabei oft Gesprächspartner, manchmal Freundin und ab und an auch eine Art Psychologin" berichtet Jugendbegleiterin Doris Hertweck. "Die Schüler erzählen was sie beschäftigt und erleben. Und wenn man gemeinsam gelernt hat, wird einem schon von weitem die gute Note zugejubelt" lacht sie.

Entscheidend für den Erfolg des Modells an der Realschule Rheinau ist für Schulleiter Glaser die
offene Form der Ganztagsschule. Sie lässt Schülern die Wahlfreiheit, ob und welche Angebote sie in Anspruch nehmen wollen. Heute gibt es für die Ganztagsschule eigene Räume im ehemaligen Lehrerhaus und in der Werkrealschulgebäude, dazu die neu gebaute Mensa. Vor sechs Jahren war Improvisation gefragt. "Wir haben mit wenig angefangen" erinnert sich Viviane Ludwig schmunzelnd. Also nutzte man den Hof, Spielplatz, die Klassenzimmer, Bücherei und als provisorische Mensa das Obergeschoss im Lehrerhaus.

Für die Zusammenarbeit zwischen Realschule, Jugendbegleitern und städtischen Begleiterinnen gibt man sich gegenseitig ein "Sehr gut". Katrin Liomin ist Klassenlehrerin der 6c und koordiniert seit drei Jahren die Ganztagsschule. Sie kümmert sich um die AGs und ist Ansprechpartnerin für alle Beteiligten. "Für uns ist sie die Feuerwehrfrau, mit ihr läuft es klasse" lobt Simone Franz unter allgemeiner Zustimmung der Runde.

Das Jugendbegleiter-Programm der Schulstiftung Baden-Württemberg hilft die Betreuung zu finanzieren, etwa im Rahmen der angebotenen AGs. Die bieten den Schülern eine bunte Themenvielfalt von Angeln über Bienen, Fußball für Mädchen bis Zirkus und vieles mehr.
"Eine Film- oder Foto-AG gibt's bislang noch nicht", weiß Claudia Huber.

Gebhard Glaser ist überzeugt "Ein Fachmann oder eine Fachfrau die eine Fahrrad AG anbietet, bei kleinen Reparaturen zur Seite steht - das wäre ein weiterer Volltreffer." Denn viele Schüler fahren mit den Rad zur Schule.

Worin sieht man das Ziel der Ganztagsschule? Das Angebot möchte Eltern Unterstützung geben und Sicherheit vermitteln: hier ist ihr Kind gut betreut. "Außerdem tragen wir einen kleinen Teil zu Bildungsgerechtigkeit bei, denn unsere Förderung hilft auch Kindern einen Realschulabschluss zu schaffen, bei denen Unterstützung zu Hause selten möglich ist" argumentiert Glaser.

Und was kann Ganztagsschule nicht übernehmen? Auch darüber ist man sich einig: "Wir leisten keine Einzelnachhilfe und Erziehung muss zu Hause in der Familie passieren. Außerdem ist die Begleitung in der Ganztagsschule kein Ersatz für das notwendige Interesse der Eltern: sind die Hausaufgaben tatsächlich gemacht, die Vokabeln gelernt, der Schulranzen für morgen gepackt?"

Da nicken auch die zukünftigen Absolventen. Zwei haben sich für das weiterführende Technische Gymnasium entschieden, die beiden anderen beginnen eine Ausbildung zum Heizungsbauer, bzw. Mechatroniker. Alle vier kommen auch so kurz vor dem Abschluss ihrer Realschul-Karriere noch gerne in die Ganztagsschule, "Ist eine schöne Gewohnheit" meint Lucas.

Was wäre anders gelaufen, ohne Ganztagsschule? "Na die Hausaufgaben hätten wahrscheinlich öfters gefehlt und wir wären nicht so gute Freunde. Hier konnten wir viel Zeit miteinander verbringen", blickt Jan auf die letzten Jahre zurück.

Die positiven Erfahrungen der Schüler und gute Eltern-Resonanz haben auch den Gemeinderat zum überzeugten Befürworter unserer Ganztagsschule werden lassen" bekräftigt Doris Hertweck, diesmal in ihrer Rolle als Gemeinderätin.

Für die Realschule Rheinau fällt das Resümee nach der ersten Schülergeneration Ganztagsschule positiv aus. Gibt es Wünsche für die Zukunft? "An manchen Tagen wird es eng. Ein zusätzlicher Raum wäre toll." meint Claudia Huber. Koordinatorin Katrin Liomin wünscht sich, "dass die Gruppen so überschaubar bleiben, denn nur dann ist eine sinnvolle Betreuung möglich". Heidi Schütt plädiert für einen neuen Tischkicker, "der aktuelle wird seit Jahren intensiv bespielt und bricht nach vielen tausend Toren auseinander". Und Rektor Gebhard Glaser hofft auf Kontinuität, vor allem "weiterhin auf so engagierte Begleiter in der Lernzeit und den AGs".

Und die vier Absolventen - würden sie als erste Generation den jüngeren Schülern die Ganztagsschule empfehlen? "Auf jeden Fall", kommt es von Fabian bestimmt. Seine kleine Schwester hat sich schon dafür entschieden. Auch ohne ihn zu fragen.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 08. Mai 2015 um 14:52 Uhr  

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